Nordwestlich der ehemaligen Gastwirtschaft "Im grünen Thal"
stand der Sommersitz der Kapitänswitwe Sophie Carstens geb.
Tecklenborg (1817-1918), der Tochter des Segelmachers und Kaufmanns
Franz Tecklenborg. Im Jahre 1851 heiratete sie den Lohgerber und
Kaufmann Diedrich Wilhelm Grommé (1796-1856). Aus der Ehe
gingen fünf Kinder hervor. Einer von ihnen war der Kaufmann
Tilman Wilhelm Grommé, der 1887 eine Elisabeth Lülmann
heiratete, mit der er sechs Kinder hatte. Sie lebten seit 1905
in der Mathildenstraße 32 in Bremen. Seine Mutter Sophie
Grommé besaß, wie damals üblich, ein Landhaus
in St. Magnus, das sie Villa Ruhe nannte. Dort verbrachte die
Familie zwischen 1893 und 1908 die Sommermonate. Jedes Jahr, wenn
der Sommer eingekehrt war, fuhr in der Mathildenstraße der
Möbelwagen vor, barg Kinderbetten und Bücher und brachte
alles in das sommerliche Landhaus auf das hohe Ufer der Lesum.
Die Kinder nahmen morgens früh um 7.15 Uhr den Bummelzug
nach Bremen, wo sie zur Schule gingen.
Auf der Veranda, um 1900 rechts: Vater Tilman Grommé, darunter vor der
Veranda Tochter Johanna. Links zwischen den Säulen sitzend:
Sophie Grommé.
Sophie Grommé führte ein
langes Leben. 1918 starb sie im Alter von 101 Jahren; ihr Mann
starb schon 62 Jahre vor ihr.
Eine Enkeltochter Sophie Grommés
feierte 1999 ebenfalls ihren 100. Geburtstag. Es scheint an der
guten Luft in St. Magnus zu liegen, denn auch der Kaufmann Bernhard Rothfos, der in der
Gastwirtschaft "Im grünen Thal" aufwuchs, erreichte
dieses hohe Alter.
Die erwähnte Enkelin Sophie Grommés
weiß noch einige Anekdoten aus der Zeit in der Villa Ruhe
zu berichten. Ihre Großmutter hatte eine besondere Vorliebe
für die Worpsweder Kunst. "Eines Tages lud sie die Künstler
zum Essen ein. Sie hatte die Künstler immer sehr unterstützt.
Zum Essen eingeladen zu werden war damals etwas Besonderes für
die Künstler, die waren ja noch nicht so berühmt wie
heute und hatten kaum Geld. Als das gemeinsame Essen beendet war,
gingen die Damen des Hauses zu Bett, um Mittagsruhe zu halten.
Das war damals so üblich. Die Worpsweder vergnügten
sich derzeit im Garten, wo sie alle Himbeeren von den Sträuchern
aßen. Nachher waren alle Sträucher leer und meine Oma
mußte neue Beeren für den Winter kaufen, um daraus
Eingemachtes zu kochen".
Leider ist heute nicht mehr bekannt,
um welche Worpsweder Künstler es sich hier gehandelt hat.
Die Villa Ruhe wurde 1908 von dem Kaufmann
Georg Heinrich Faber gekauft, der seit 1865 neben "Alt-Reebeck"
wohnte und 1911 durch die Architekten Runge
& Scotland umgebaut. Er ließ den Garten durch
den Bremer Gartenarchitekten Friedrich
Gildemeister anlegen. Um 1920 kaufte der Rönnebecker
Fabrikbesitzer Hinrich Dewers die Villa und schenkte sie seiner
Tochter Meta-Emma Dewers zu ihrer Hochzeit mit dem Kaufmann Wilhelm
Schoener.
Villa Ruhe nach dem Umbau durch Runge
& Scotland im Jahre 1911. Zeichnung des Gartenarchitekten
Friedrich Gildemeister.
Gartenanlage Gut Landeck (Villa Ruhe) in St. Magnus
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