"St. Magnus ist ein verrücktes
Dorf" schrieb einmal der Lesumer Pastor Kobus. Verrückt
nicht etwa, weil ihm die Einwohner verrückt erschienen, sondern
weil das Dorf St. Magnus mit seinen alten Bauernhöfen, Scheunen
und Ställen von einer Flur zur anderen verrückt, also
versetzt wurde. Der Grund hierfür war der Brand des Mahlstedtschen
Hofes, der am 30. September 1878 durch einen Blitz getroffen,
völlig niederbrannte. Der Bremer Baumwollkaufmann Ludwig
Knoop (1821-1894) -seit 1859 in St. Magnus ansässig-
nutzte die Gelegenheit und erwarb den Besitz von dem Bauern Hermann
Mahlstedt. An den Kauf des Besitzes knüpfte Knoop die Bedingung,
auch die Höfe der umliegenden Bauern zu übernehmen.
Hermann Mahlstedt, der seit 1867 Ortsvorsteher war, übernahm
die Vermittlung zu diesen Verkäufen. 1878 wurden die Höfe
abgebrochen und teilweise an anderer Stelle wieder aufgebaut.
Alle Bauern bekamen eine großzügige Entschädigung.
Auf einer Insel namens "Kreenholm",
im estländischen Narva
an der Narva errichtete Knoop eine Baumwollspinnerei, die ihn
sehr bald zu einem reichen Mann machte. Knoop, den man später
wegen seines Reichtums gerne auch mit Rockefeller verglich, kaufte
große Landflächen in St. Magnus, wodurch sich das einst
so verträumte Bauerndorf grundlegend veränderte. Im
Jahre 1868 beauftragte er den bekannten Bremer Architekten Gustav
Runge mit dem Bau eines Schlosses im englischen Tudorstil, das
die Größe eines Fürstenhauses hatte und seinen
6 Kindern und Schwiegersöhnen samt Personal genügend
Platz bot. Der Bremer Gartenbauarchitekt und Schöpfer des
Bürgerparks Wilhelm
Benque gestaltete den ca 40 ha großen Park. Viele
Berühmtheiten besuchten Schloß Mühlenthal.
"Der Kaiser und sein Generalstabschef,
Graf Moltke, kamen nach dem Krieg im Jahre 1870/71 nach St. Magnus.
Bei einem Manöver ist Schloß Mühlentahl "kaiserliches
Hauptquartier". Am denkwürdigsten aber blieb der Besuch
Graf Moltkes zwei Jahre nach dem siebziger Krieg auf Mühlentahl,
das er damals in einem Brief an seine Schwester als den reichsten
Landsitz bezeichnete, den er je gesehen. Der Baumfreund Moltke
musterte eingehend die prächtigen Bäume des Parks, und
der Feldherr meinte scherzend, als er auf den schönsten Aussichtspunkt
an der Lesum kam: "Von hier aus würde ich Bremen beschießen
lassen" (13).
Die kleine Gemeinde St. Magnus wurde
durch den neuen Einwohner zu einem wohlhabenen Ort. Knoop schenkte
ihr das Gründstück für den Bau der Schule in der
Richthofenstraße. Durch den Verkauf der alten Schule am
Kapellenberg erhielt die Gemeinde einen großzügigen
Betrag von über 30.000 Mark, mit dem sie dann den Bau der
Schule finanzierte und einen gut bezahlten Lehrer einstellten
konnte. Der Lehrer aus der 100 Meter entfernten Schule in Friedrichsdorf
(heute St. Magnus), verdiente jährlich 200 Mark weniger als
sein St. Magnuser Kollege.
Als 1862 die Bahnlinie Wunstorf-Bremerhaven
und Burg-Vegesack in Betrieb genommen wurde, ließ Knoop
den damals sehr kleinen Bahnhof St. Magnus bauen, den die Bevölkerung
als "Datt lütte hollten Hüseken" bezeichnete."Dat
Hüschen weer von buten grau, un binnen rot anstreken, un
boben up den Dakke hätt Teerpapp un Schiefer seten. In de
Goaten häbt de Spatz´n Neest und unnern Dack de Spreen.
De jungs har´n ehr´n Spoass dor an, de smeten de Spatz´n
mit Steen. Twee Wartesäle woern dor in, up jede Siet´wor
en, un mitten mang en Amtskabinett mit de Telegrofir- maschin´.
Dor set de Mann mit de rote Mütz´un mit den blauen
Rock (Aus einer Übertragung von J.Fuhrhoff)". Vermutlich
empfing Ludwig Knoop hier auch seine hohen Gäste, wie Prinz
Albrecht von Preußen, Graf Moltke uvm. Eine Erzählung
besagt, das ein Kutscher von Mühlentahl den berühmten
Lyriker Rainer-Maria Rilke und seine spätere Frau Clara vom
Bahnhof abholen sollte. Der Kutscher berichtete, daß er
am Bahnhof zwei merkwürdige Gestalten auf sich zukommen sah
-ein Mann und eine Frau. Er war schmal und blaß mit einem
Bartgestrüpp um den Mund, offenem Hemd, schlichtem Kittel,
zerknautschten Hosen und Sandalen; sie hatte verwuscheltes Haar,
ein graues Kleid ohne erkennbaren Schnitt und ebenfalls Sandalen.
Es waren Rainer Maria Rilke und Clara Westhoff. Der Kutscher dachte
an seine markelose, mit feiner Seide ausgeschlagene Kutsche. Es
blieb ihm nichts anderes übrig, als die beiden "Landstreicher"
nach Mühlentahl zu fahren.
St. Magnus war wegen seiner schönen
und ruhigen Lage zu einem beliebten Ausflugsziel geworden, wohin
viele Bremer kamen, um hier Ruhe und Entspannung zu finden. Vermutlich
wurde daher im Jahre 1908 das kleine Bahnhofsgebäude abgerissen
und durch einen größeren Bahnhof ersetzt. "Dat
schöne lüüe hollten Hus, se häbt et affereten
der Murlüe mussten an de Stäe n´Neemodsch Hus
hensetten. En Hus mit sin veerkannt´gen Torm ganz boet ut
Kalk un Steen. Un von dat lütte Hüseken dar is nicks
mehr to seh´n. Wenn ick mal na St. Magnus kom, denn mut
ick mi erst besinnen wenn ick ut´n Zug rutklattern do, kann
ick nich den Utgang finn´. So manche schöne Erinnerung
is mit de Bud affreten drum kann ich dat lütte Hüseken
noch immer nich vergeten (J.Fuhrhoff)." Der neue Bahnhof
wurde im Jahre 1975 abgerissen.
Der alte Bahnhof St. Magnus bis 1908
Knoops Schloss war schon damals mit
der neuesten Technik ausgestattet. Einer Erzählung nach wollte
Knoop für die Beheizung seines Schlosses und der Gewächshäuser
ein Gaswerk bauen lassen. Der Lesumer Gemeindevorstand lehnte
dieses Vorhaben mit der Begründung ab, daß es zu gefährlich
sei. Man hatte gehört, daß es bei einigen Gaswerken
schon oft zu Explosionen gekommen sei. Da man es sich mit dem
Steuerzahler Knoop aber nicht verscherzen wollte, genehmigten
sie 1871 doch den Bau des Werkes an der heutigen Straße
"An Knoops Park" früher auch "Siedenburg´scher
Weg" genannt, -allerdings nur unter der Auflage, daß
Knoop an der Kastanienalle (heute Raschenkamps Weg) eine Gaslaterne
aufstelle. Diesen Erpressungsversuch nahm der verärgerte
Knoop wörtlich und kam der Aufforderung nach, -allerdings
ohne die Laterne auch an eine Gasleitung anzuschließen,
-davon war ja nicht die Rede gewesen. So kam es, daß die
Laterne vorsichhin rostete, ohne jemals ein Lichtlein von sich
gegeben zu haben. Im Jahre 1901 -die Lesumer Gemeinde hatte nun
selbst ein Gaswerk gebaut- wurde Knoops erster Gasmeister der
Direktor des Lesumer Gaswerkes. Um ständigen Kontakt zu seinem
"Imperium" zu haben, ließ Knoop auf dem Turm seines
Schlosses eine Telegraphenstation errichten.
Der Besitz Knoops wurde durch die heutigen
Straßen "Kastanienallee"
im Norden, "An
Knoops Park" im Osten, und "Raschenkamps
Weg" im Westen umrahmt. An der Südseite der
Straße "Auf
dem Hohen Ufer" reichte sein Besitz bis zum "St
Magnuser Brink." Einige Weideflächen an der
Lesum, wie die kleine Weide zwischen St. Magnuser Hafen und Admiral-Brommy-Weg,
gehörten ebenfalls dazu. Für seine Töchter und
Schwiegersöhne ließ er die Albrechtsburg (1950 abgerissen),
Haus Kränholm und Haus Schotteck errichten.
Ludwig Knoop wurde 1821 in Bremen geboren
und wuchs in bescheidenen Verhältnissen unter 8 Geschwistern
auf. Sein Vater besaß ein Tabakgeschäft, das schon
sehr bald Pleite machte. Seine Mutter konnte wegen einer Gemütskrankheit
die Kinder nicht versorgen, sodaß sich ihre Schwester mütterlich
um die Kinder kümmerte.
Als in Bremen der Giftmischerin Gesche
Gottfried 1831 der Prozeß gemacht wurde, stand der noch
junge Ludwig Knoop unter den anwesenden Zuschauern, die sich auf
dem Marktplatz zu Gottfrieds Hinrichtung versammelt hatten. Er
war auf einen Zaun geklettert um eine bessere Sicht über
das geschehen zu haben. Die Giftmischerin wurde in einem Karren
und im Büßerhemd auf den Markplatz gefahren. Als der
Henker das Beil hob, fiel der kleine Ludwig, vor Aufregung, ohnmächtig
zu Boden.
Knoop ging nach einer kaufmännischen
Lehre in seiner Vaterstadt Bremen, nach Manchester und als Vertreter
des dortigen Handelshauses De Jersey & Co. bald darauf nach
Moskau, wo er zunächst im Auftrag russischer Großherren
eine Spinnereifabrik baute und trotz Ausfuhrverbots Spinnereimaschinen
aus England importierte. Der große Aufstieg des Ludwig
Knoop begann im Jahre 1847, als er dem Moskauer Unternehmer Savva
Morozov eine vollständig ausgestattete Textilfabrik errichtete
(9). Mit seiner Hilfe wurden bis 154 Fabriken errichtet (6).
Mit Maschinen bestückt wurden von ihm insgesamt 187 Fabriken
(7). Zugleich war Knoop auch der Baumwollieferant der Mehrzahl
dieser Fabriken (8).
"Wer seinen eigenen Weg
geht, begegnet immer Widerspruch;
die Schablone gilt. Aber man
muß es eben riskieren. Wer nicht wagt, gewinnt nicht"
(Theodor Fontane)
1857 (30. April) gründete Knoop auf der estnischen Insel
Krenholm an der
Narowa bei Narva eine eigene Firma und besaß wenig später
mit 400.000 Spindeln und 2000 Webstühlen die größte
Baumwollspinnerei Europas,
in der 4.500 Arbeitnehmer beschäftigt waren.
Das
Werk "Krenholm" auf der estländischen Insel umgeben
von den Fällen der Narova bei Narva. Rechts:
die Brücke von Narva zur Insel Kränholm (links). Der
Name Kreenholm (auf schwedisch Krähneholm und estnisch Kreenholmi)
heißt übersetzt Kräheninsel.
Die tägliche Arbeitszeit betrug
14 Stunden und 45 Minuten abzüglich der 1 1/4 stündigen
Mittagspause. Der Arbeitstag begann je nach Produktionszweig zwischen
5.05 Uhr und 5.20 Uhr und endete zwischen 19.50 und 20.20 (11).
Der Höhepunkt seines Importes von Baumwolle lag im Jahre
1865. In diesem Jahr wurden von Knoop mehr als 8,99 Mio. Kilogramm
oder 49,1 % der gesamten ins Russische Reich eingeführten
Baumwolle importiert. Beim Maschinenimport
geben die offiziellen Statistiken gar keine Verleichszahlen mehr,
da Knoop darauf geradezu ein Monopol besaß. Zu seinem Imperium
gehörten außerdem zwei Banken, diverse Versicherungsgesellschaften
und 122 weitere Textilbetriebe (10).
Der Sender "Deutschland Radio"
sendete am So. 2. Januar 2000 in der Reihe "Menschen und
Landschaften, Narva eine russische Stadt in Estland", einen
Bericht über das Werk Kränholm und seiner Geschichte.
Der Bericht wurde hier
bereitgestellt und kann abgehört werden. Bitte klicken Sie auf "hier" und gehen
auf der Seite von "Deutschland Radio" unter "Related
Links:" auf "Real Audio".
"Keine
Kirche ohne Pop`,keine
Fabrik ohne Knoop"
Über Knoop
ging im russischen Reich das geflügelte Wort um:,, Keine
Kirche ohne Pop´, keine Kaserne ohne Wanze, keine Fabrik
ohne Knoop" -im russischen reimt sich dies.(4)Der Engländer William Blackwell bezeichnete
Knoop in einer Studie als "Finanzmagier".(5)
Die Arbeiter seiner Baumwollspinnerei
wohnten in fabrikeigenen Wohnhäusern. Knoop ließ sogar
Schulen, Krankenhäuser und Kindergärten errichten, was
für damalige Verhältnisse ungewöhnlich war. Im
wesentlichen auf Kosten des Unternehmens wurden wegen der abseitigen
Lage der Fabrik sogar eine orthodoxe und eine evangelisch-lutherische
Kirche für die Arbeiterschaft errichtet (12). Mit diesen
Wohlfahrtseinrichtungen betrat er Neuland. Erst 1861 wurde die
Leibeigenschaft durch den Zaren Alexander II. aufgehoben, und
die Lebens- und Arbeitsverhältnisse waren noch äußerst
primitiv. Ein Bild über den Umgang mit den Leibeigenen des
damaligen Rußlands zeigt eine Anekdote, die besagt, daß
es den Kutschern im damaligen Rußland verboten war, sich
nach ihrem Herren umzusehen. Knoop, der auf einem Besuch bei seinem
Geschäftsfreund war, wollte den Heimweg antreten und ließ
seinen Mantel durch den Hausdiener in die vorgefahrene Kutsche
bringen. Dieser tat wie ihm befohlen wurde, brachte den Mantel
in die Kutsche und verschloss die Kutschentür von Außen.
Als der Kutscher hörte, wie die Tür zugeschlagen wurde,
dachte er, daß sein Herr den Wagen bestiegen hätte
und fuhr ohne Ludwig Knoop davon.
Kurze Zeit lang war Ludwig Knoop Aufsichtsratsmitglied
des Norddeutschen Lloyds (1). Als 1870/71 im Deutsch/Französischen
Krieg die Gefahr bestand, daß Frankreich deutsche Schiffe
beschlagnahmen könnte, kaufte er "pro forma" die
gesamte Tonnage auf und ließ die Schiffe unter russischer
Flagge fahren -was die Flotte vor der Enteignung durch die Franzosen
schützte.
Mit der Hilfe seines Freundes, dem
Kapitän
Eduard Dallmann2
versuchte Knoop einen Schiffahrtsweg durch das Eismeer von Sibirien
nach Europa zu finden. Im Sommer 1877 fuhr der erste Dampfer "Louise"
-benannt nach seiner Frau- unter der Leitung Eduard Dallmanns
von der Weser nach dem Jenessei.
"Geh Wege, die noch niemand
ging, damit Du Spuren hinterlässt"
(Antoine de Saint-Exupéry)
Schon im Jahre 1878 gab Knoop die Sibirienfahrt
aus wirtschaftlichen Gründen wieder auf.
Am 6. Mai 1877 wurde Ludwig Knoop -dem
Begründer der russischen Textilindustrie- vom russischen
Zaren Alexander II., der Titel des "Baron" ohne das
in Deutschland übliche "von" verliehen. Knoops
Bruder Julius, der einen großen Teil zum Erfolg des Knoopschen
Imperiums beigetragen hatte, wurde am 3. Februar 1888 durch den
deutschen Kaiser in den "preußischen persönlichen
Freiherrnstand" erhoben.
Die Goldene Hochzeit von Ludwig und
Louise Knoop am 10. Juni 1893 wurde groß gefeiert. Am Morgen
des Tages erschienen Schiffe des Norddeutschen Lloyds auf der
Lesum und schossen zu Ehren des Hochzeitspaares Kanonenschüsse
ab. Der Norddeutsche Lloyd hatte nicht vergessen, daß Knoop
in den Kriegsjahren 1870/71 ihre Flotte vor dem Verkauf rettete,
indem er sie "pro forma" aufkaufte und unter russischer
Flagge fahren ließ. Eine große Zahl geladener Gäste
versammelten sich in Schloß Mühlenthal um diesen Tag
ausgiebig zu feiern. Am Abend war der Park im Licht der bunten
Lampions getaucht und von den Schiffen auf der Lesum wurde Feuerwerk
abgebrannt. Übrigens hat Louise Knoop ihren Mann nur geheiratet,
weil sie sich damals -von einem weiteren Verehrer umworben- die
Frage gestellt hatte, welcher von den beiden Hauptverehrern ihr
am meisten leid täte, wenn sie ihn ablehnte.
Louise Knoop
geb. Hoyer
Schon ein Jahr nach ihrer goldenen
Hochzeit, am 26. Januar 1894, starb Knoops Frau Louise an Schwindsucht.
Der Tod seiner über alles geliebten Frau hatte Knoop so schwer
getroffen, daß er zu kränkeln begann. Einige Monate
später verstarb auch er. Sein Tod ersparte es ihm, den Untergang
seines Wirtschaftsimperiums mitzuerleben.
Während der Oktoberrevolution
1917 und der Besetzung Estlands durch die russischen Truppen ging
das Werk in staatliche Hände über. Daß Knoop seine
Arbeiter menschlicher behandelt hatte, als es allgemein üblich
war, trugen seine Arbeiter ihm während der russischen Revolution
positiv nach. Als die Bolschewisten
versuchten Knoops Baumwollfabrik in die Luft zu sprengen, hatten
einer Erzählung nach, die Arbeiter selbst die Sprengung verhütet,
-wohl auch um ihre Arbeitsplätze zu sichern. Es wird außerdem
erzählt, daß die Kränholm-Arbeiter das am Eingang
des Werkes stehende Standbild des alten Knoop mit einem Tuch verdeckt
hätten, damit er nicht sehen konnte, wie die Revolutionäre
zusammen mit seinen eigenen Arbeitern die Weinvorräte der
Direktoren- und Angestellten-Kasinos plünderten. 1918 wurde
Knoops Besitz in Rußland verstaatlicht. Sein Denkmal verschwand
1940 als die russischen Truppen nach Estland kamen.
Seit 1910 verfiel das Schloß
Mühlental und wurde schließlich 1933 abgerissen. Auch
die Orangerie mit ihren exotischen Gewächsen, das eigene
Gaswerk, die prachtvollen Renaissance-Terrassen zum Mühlental
und die Wirtschaftsgebäude von "Knoops
Hof", verschwanden im Wandel der Zeit. Der Abbruch kostete
mehr als er gebracht hatte. Was geblieben ist, sind wenige Häuser
und der Park mit den Erinnerungen an vergangene Tage, als Prinz
Albrecht von Preußen, Graf
Moltke, Heinrich Vogeler und der Sohn und Neffe der Gebrüder
Grimm, Hauptmann Grimm den Park durchstreiften.
"Daß es so kam, ist
nicht Schuld der Erben.
Völker-, Menschenschicksaal,
Kismet - wer kann´s wissen?
Ein schönes großes
Schloß stirbt, und dennoch ---
vielleicht ist´s ein Baustein,
der abbröckelt im großen Sterben des Abendlandes."
Nach langem Dornröschenschlaf
hatte 1932 ein Konsortium zwanzig bremischer Firmen versucht den
Park zu parzellieren und zu verkaufen. Glücklicherweise fand
man derzeit keine Interessenten für die Grundstücke
und somit kaufte 1938 die Gemeinde Lesum den Park für günstige
280.000 Mark. Der repräsentative Bahnhof St. Magnus bestand
noch bis 1975, bis er aus kostengründen abgebrochen wurde.
Ludwig Knoops Töchter heirateten
in bekannte Bremer Familien ein. Auch unter den Nachkommen sind
heute teilweise bekannte Persönlichkeiten, wie der ehemalige
Ministerpräsident von Niedersachsen, Ernst Albrecht -ein
Ur-Urenkel Ludwig Knoops und seine Tochter, die ehemalige Familienministerin
Ursula von der Leyen.
(Foto:
BMFSFJ)
Eine Ähnlichkeit
zu Ludwig Knoop ist nicht zu verkennen.
Im Jahre 1986 wurde der Förderverein
Knoops Park gegründet, der es sich zur Aufgabe macht, den
Park in seiner alten Schönheit zu bewahren. Durch seine Hilfe
wurde das Knoop-Denkmal, die Kennzeichnung des Schloß-Grundrisses
und die Renovierung des alten Pförtnerhauses am östlichen
Eingang mitfinanziert; -um nur einige Dinge zu nennen.
Das
Knoop-Denkmal (Zur Vergrößerung
bitte Bild anklicken)
Ludwig Knoops Baumwollmanufaktur
auf der Insel Kränholm, steht heute noch. Das ehemalige Textilkombinat
ist heute eine Holdinggesellschaft die unter dem Namen "Krenholm"
Textilien herstellt. Sogar seine Villa in Narva blieb bis heute
unberührt.
Der Inhalt dieser Seite
wurde u.a. aus folgenden Büchern entnommen: "Altes
und Neues aus dem alten St. Magnus", Friedrich Spengemann,
St. Magnus 1957. "Burg-Lesumer Heimatbuch",
Heimat- und Verschönerungsverein Burg-Lesum, Druck- und Verlagshaus
Friedrich Pörtner, Bremen-Blumenthal. (1) Adele Wolde, "Ludwig
Knoop, Erinnerungsbilder aus seinem Leben", 1928. (4)
K.A. Pazitnikov, Ocerki istorii tekstil´noj promyslennosti
dorevoljucionnoj Rossii. Serstjannaja promyslennost´, Moskau
1955, S. 103. (5) William Blackwell, "The
Beginning of Russian Industrialization 1800-1860, Princeton 1968,
S. 47 und S. 241f. (6) Svedenija o fabrikach postroennych
v Rossii pri posredstve L.G. Knop: RGIA, f.560, op.16, d.509,
1. 12ob.ff. (7) Ebd., S.22R: Verzeichnis vom 1.
Januar 1877; Hildermeyer, Bürgertum, S. 530. (8)
Schulze-Gävernitz, Volkswirtschaftliche Studien, S.95 f. (9) Schulze-Gävernitz, Volkswirtschaftliche Studien,
S.92 u. 95. (10) RGIA, ebd., 1. 19ob. und 20. (11) Opisani Krengol´mskoj Manufaktury, Narva
1896, S.12. (12) Opisani Krengol´mskoj Manufaktury,
Narva 1896, S.44 ff. (13) Gustav Brandes, Aus den
Gärten einer alten Hansestadt.Bremen 1939. Helmut
von Moltke, Gesammelte Schriften und Denkwürdigkeiten. Band
VI. Berlin 1893, S. 498.
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