Nur wenig bekannt blieb bisher, daß
die Villa Lesmona von 1922-1941 im Besitz der Familie Voigt war.
Wilhelm Voigt (1859-1939) (verheiratet mit Else) war Teilhaber
der Tabak-, Tee- und Kaffee-Importfirma W.B. Michaelsen &
Co., eine der führenden Teeimportfirmen in Europa. Sein Sohn
Herbert Voigt (1904-1974) wurde 1938 Teilhaber von Lindewirth,
Uhrmeier & Spiegel, eines der führenden Rohtabakhäuser
Bremens.
Herbert Voigt, der Enkel von Wilhelm
Voigt (1859-1939) segelte gelegentlich mit Alfred Krupp auf der
Lesum.
Voigts gehörten zum Kreise der
"Goldenen Wolke" und waren mit Magda und Gustav Pauli
eng befreundet. Viele Persöhnlichkeiten wie der Dichter,
Schriftsteller und Architekt Rudolf Alexander Schröder, der
Dichter Rudolf Borchardt und der Multimillionär und Mäzen
Alfred Walter von Heymel gehörten nicht nur zum Freundeskreis
der Familie -sie waren auch mit ihr verwandt. Marel Voigt, Tochter
des Wolkenmitglieds Robert Voigt, war mit dem Dichter Rudolf Borchardt
verheiratet und Else Voigt, die Schwester von Rudolf Alexander
Schröder, heiratete Wilhelm Voigt (1859-1939), dem späteren
Besitzer von Villa Lesmona.
Wilhelm Voigt (1859-1939)
1919 erbte Magdalene Pauli die Villa
Lesmona von ihrem Onkel Hermann Melchers (in "Sommer in Lesmona"
Onkel Herbert genannt). Die Familie Melchers hatte durch die Weltwirtschaftskrise
einen Großteil ihres Vermögens verloren. Schon drei
Jahre später im Jahre 1922 übertrug Magda die Villa
durch Schenkungsurkunde an ihre 3 Kinder:
"Ich, die unterzeichnete Ehefrau...wünsche
in Anbetracht der unsicheren Zeitverhältnisse meinen Kinder
schon zu meinen Lebzeiten ein kleines Vermögen zuzuwenden
, das ihnen, -von unseren Vermögensverhältnissen ganz
unabhängig- als ein sicherer Rückhalt für die Zukunft
verbleiben soll".
§ 2
"Der alte Familienbesitz soll
möglichst im Besitz unserer Kinder und deren Nachkommen verbleiben.
Eine Veräußerung soll nur stattfinden, wenn entweder
eine Notlage es erwünscht erscheinen lässt oder ein
ganz außergewöhnlich gutes Angebot auf den Besitz gemacht
wird, dessen Ablehnung nur Pietätsgründen nicht gerechtfertigt
erscheint".
Noch im selbem Monat kam das "außergewöhnlich
gute Angebot" von Wilhelm Voigt. Er kaufte Magdas Kindern
aus Zuneigung zur Familie die Villa für 700.000 Mark ab -zum
doppelten Preis des Schätzwertes. Sogar eine Hypothek von
20.000 Mark, die Magda wegen der schlechten Zeiten aufnahm, übernahm
er.
Die Familie Voigt wohnte vorher am
Osterdeich in einer großen Bremer Villa. Schon seit einiger
Zeit hatte Wilhelm Voigt die Villa Lesmona gepachtet. Zum Haus
gehörte ein großes Grundstück, das bis an die
Lesum reichte, sowie einige Wirtschaftsgebäude und Gewächshäuser,
die von der Familie Lassan
bewirtschaftet wurden.
Voigts Nachkommen verkauften Lesmona
im Jahre 1941 für 84.000 RM an die Stadt Bremen.
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